Willeweis Lexikon
Hier sollen Themen aus der wissenden und starken Perspektive der Willeweis erläutert werden. Das Lexikon soll nach und nach um Themen ergänzt werden. Beiträge können sich auch je nach Wissens- und Wahrnehmungsstand verändern.
Gerne können über das Kontaktformular Anregungen und Ergänzungen für das Lexikon geschickt werden. Ich überlege dann, wie sie sich einfügen lassen.
Nachfolgend sind alle Buchstaben des Alphabets aufgelistet, zu denen es bereits Einträge gibt. Durch einen Klick auf einen der unterstrichenen Titel unter einem der Buchstaben gelangt man direkt zum entsprechenden Lexikoneintrag. Alternativ kann man nach unten scrollen, um alle Einträge alphabetisch sortiert zu durchstöbern.
A
G
Gesellschaftliche Situation von Menschen mit Behinderungen
W
Ableismus
Der Begriff „Ableismus“ wurde von der amerikanischen Behindertenbewegung geprägt. Er enthält das englische Wort „able“, welches mit „können“ oder auch „fähig“ übersetzt werden kann. Ableismus bezeichnet damit Diskriminierungen, die aufgrund von Fähigkeiten stattfinden. Im Allgemeinen werden darunter alle Formen von Diskriminierungen von Menschen mit Behinderungen gefasst. Diese finden auf verschiedenen Ebenen statt:
- Auf der individuellen Ebene, z.B. wenn nicht mit dem Menschen mit Behinderungen direkt, sondern mit seiner Begleitperson gesprochen wird oder wenn eine sehbehinderte oder blinde Person über die Straße geführt wird, ohne sie vorher zu fragen, ob sie das möchte.
- Auf der institutionellen Ebene, z.B. wenn eine Schule, eine Behörde, ein Theater etc. nicht zugänglich oder ihre Angebote nicht nutzbar für Menschen mit Behinderungen sind.
- Auf der strukturellen Ebene: Die strukturelle Ebene prägt sowohl die individuelle als auch die institutionelle Ebene. Z.B. sind Finanzierung und Genehmigungen für Institutionen in unserer Gesellschaft so strukturiert, dass ihre Zugänglichkeit oder Nutzbarkeit für Menschen mit Behinderungen von untergeordneter oder geringer Bedeutung sind.
- Auf der Ebene des Denkens und Wahrnehmens (epistemische Ebene): Z.B. werden Menschen mit Behinderungen oft als schwach und arm wahrgenommen. Ihr Leben wird von vielen Menschen, die sich als „gesund“ definieren, mit Leid und Schmerz verbunden. Der gesellschaftlichen Fürsorgestruktur, die durch eine paternalistische Haltung gegenüber Menschen mit Behinderungen geprägt ist, liegt dieses Denken und Wahrnehmen zu Grunde. Auch das ungewollte Helfen auf der individuellen Ebene hat darin ihren Ursprung.
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Gesellschaftliche Situation von Menschen mit Behinderungen
Trotz der in Deutschland anerkannten Gültigkeit der Allgemeinen Menschenrechte für „Menschen mit Behinderungen“ in Form der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK), wird Menschen, die körperlich-sinnlich, psychisch, intellektuell oder/und neuronal von der gesellschaftlichen Norm abweichen, häufig ihre Fähigkeit, ein (Rechts-) Subjekt zu sein, das eigenständig denkt und handelt, in Frage gestellt oder abgesprochen. Statt „Menschen mit Behinderungen“ die nötigen Bedingungen bereitzustellen, damit sie über ihr Leben selbst bestimmen sowie ihre Wünsche, Träume, Bedarfe, Wissen, ihre Kraft und Erfahrungen in die Gesellschaft einbringen können, werden sie immer noch regelmäßig als grundsätzlich schutz- und hilfebedürftig, unwissend und schwach stigmatisiert. Demzufolge werden Sondereinrichtungen aller Art und ein fürsorgliches Hilfesystem für „Menschen mit Behinderungen“ gesellschaftlich für erforderlich erachtet. Leider werden „Menschen mit Behinderungen“ auch regelmäßig als Belastung der Gesellschaft und ihr Leben als schweres Schicksal oder sogar als lebensunwert abgewertet.
Dieses Bild von „Menschen mit Behinderungen“ sowie die Verhinderungen ihrer Möglichkeiten und Ideen als aktive sowie passive Gestalter*innen in der Gemeinschaft sind eine Schande für eine Gesellschaft, die sich selbst als entwickelt, fortschrittlich, vernunftorientiert, innovativ, demokratisch und wirtschaftlich erfolgreich betrachtet, und verstoßen auch gegen die Grundsätze der UN-BRK.

Willeweis, die Sage
In der Sage ist Willeweis eine Seherin, die in einer uralten Lärche wohnt. Es wird erzählt, dass sie den Menschen, die bei ihr Rat und Hilfe suchen, in Reimen und Sprüchen antwortet, damit sie die Vergangenheit besser verstehen oder die Zeichen der Zukunft deuten können. Willeweis weiß alles über die Ordnung der Welt und was sie selbst nicht weiß, schaut sie im Buch „Völuspá“ nach, welches sich im Weltenbaum befindet.
Auch wenn Willeweis den Menschen mit ihrem Wissen etwas unheimlich ist, respektieren sie sie sehr. Sie kommen von weit und fern, um ihr Fragen zu stellen und Willeweis hört ihnen immer aufmerksam zu.
Auf die Frage, woher sie ihre Weisheiten hat, antwortet sie:
„Unseren Weltenbaum lieb ich sehr,
dort holen Frauen ihr Wissen her.
Drei weise Frauen wohnen an der
Quelle, die unter dem Baum liegt.
Das Gewordene heißt die eine,
das Werdende die andere und
das Kommende die dritte.“
Wenn Willeweis das Bedürfnis hat, in einem Haus zu wohnen, steht sie plötzlich vor der Tür ihrer Wahl und wird freundlich von den Hausbewohner*innen beherbergt, bis die Seherin es wieder bevorzugt, in ihrem Baum zu wohnen.